Lokalnachrichten

27. Feb, 2015

Weshalb sollte man Sie und nicht einen anderen der Kandidaten wählen?
Mein Fähigkeit, auf Menschen eingehen zu können und damit verbunden, ihr Vertrauen zu gewinnen. Meine Sachkenntnis, die ich in den letzten 5 Jahren auf dem Friedensrichteramt  aneignen konnte, meine soziale Kompetenz, die ich in ganz verschiedenen Berufen erlernte, meine Fähigkeit lösungsorientiert zu denken, dank meinem Psychologiestudium, sowie mein Engagement für Uster, das ich in den letzten 4 Jahren als Schulpfleger unter Beweis stellen konnte.

Weshalb wollen Sie eigentlich Friedensrichter werden? Ist das nicht einfach mit einem hohen Zeitaufwand verbunden?
Zeitaufwand sollte in einem Beruf, den man gerne macht, keine Rolle spielen. Ich würde mich 100 % für das Friedensrichteramt einsetzen. In den letzten 5 Jahren habe ich diese Arbeit auf dem Friedensrichteramt lieben und schätzen gelernt. Das nötige Fachwissen, wie eine reiche Berufs- und Lebenserfahrung bringe ich für dieses Amt mit.

Was ist Ihr aktueller Beruf?
Kanzleimitarbeiter auf dem Friedensrichteramt Zürich der Kreise 3 und 9 (seit 2010)

Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?
Ein eher ruhiger Mensch, der gut zuhören kann, lösungsorientiert ist.

Wie ist ihre Familiensituation:
Seit 9.9.1989 verheiratet, meine Frau habe ich in den USA kennengelernt, sie hat dort vergleichende Literatur studiert, keine Kinder, eine noch lebende Mutter (85), die auch in Uster lebt und eine noch lebende Schwiegermutter,  mit der wir gestern den 100. Geburtstag in Kolumbien feiern konnten.

Welches sind ihre wichtigsten Berufs- und Studienstationen:

-        Psychologiestudium an der Universität Zürich (Lizentiat)

-        Fulbright Stipendium für Nachdiplomstudium in den USA,
an der University of Colorado

-        Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Neurologischen Abteilung
des Unispitals Zürich

-        Business-Analyst und Prozessmanager bei der Swissair

-        Führung eines eigenen Reisebüros mit Schwerpunkt Kolumbien und Südamerika

-        Projektberater bei der Caritas in Polen

-        Verwaltungsangestellter  Betreibungsamt Zürich 3

-        4 Jahre Primarschulpfleger in Uster (2010-2014)

 

Welche Rolle spielt die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei für einen Friedensrichter?
Generell solle sie eine geringe bis keine Rolle spielen, sofern man sich bewusst ist, weshalb man in einer Partei ist.  Ist man sich dessen zu wenig bewusst, kann sie z.B. bei Arbeitsstreitigkeiten eine Rolle spielen, wenn man unbewusst die Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerseite unterstützt.

Weshalb sind Sie Mitglied der grünen Partei und nicht einer anderen?
Ich bin Mitglied der grünen Partei, weil sie sich dafür einsetzt, dass wir Menschen in einer für uns gesunden Umwelt leben können. Damit verbunden ist auch eine ganzheitliche Sicht der Dinge, z.B. dass es nicht reicht, dass wir es in der Schweiz schön haben, sondern dass man sich auch ausserhalb der Schweiz für bessere Klima und soziale Bedingungen einsetzt, dass wir es in der Schweiz so gut wie bisher haben.

Sie haben Psychologie studiert und danach als Business-Analyst und Prozessmanager gearbeitet. Was sind Sie jetzt? Einfühlsamer Psychologe oder nüchterner Zahlenmensch?
Als Business-Analyst und Prozessmanager standen für mich immer die Menschen und nicht die Zahlen an erster Stelle. Ohne die Menschen können die Systeme nicht funktionieren. Es ist wichtig, die Arbeitsabläufe mit den Menschen zu verstehen, damit ein Prozess funktionieren kann, nicht umgekehrt.
Als Psychologe ist Empathie sicher hilfreich, aber man muss auch nüchtern eine Situation analysieren können, damit man Menschen in schwierigen Situationen beistehen kann.
Von daher sind beide Qualitäten in beiden Berufen wichtig.

Wieso dieser scheinbare Bruch / Widerspruch in Ihrer Biografie?
Einen Menschen kann man nie nur linear verstehen. Wir haben meistens mehrere Interessen, mehrere verschiedene Fähigkeiten.  Ich hatte das Glück, und manchmal war es auch Schicksal, verschiedene meiner Fähigkeiten unter Beweis stellen zu können.

Mein Psychologiestudium bestand nicht nur aus dem Lernen von verschiedenen Therapieformen, Kommunikationsformen und Denkmodellen, sondern auch zu einem grossen Teil aus Statistik und Programmieren.  Da zur damaligen Zeit, als ich mein Psychologiestudium beendete, es sehr wenig Stellen für Psychologen gab, fand ich bei der Swissair die Stelle als Business-Analyst.

Das Grounding der Swissair, das auch mich betraf, bewegte mich, eine Arbeit im sozialen Bereich zu suchen. So kam ich über Caritas in Polen zu der Arbeit auf dem Betreibungsamt, wo ich mit Menschen in Geldnot zu tun hatte. Und heute arbeite ich auf dem Friedensrichteramt in Zürich, wo es darum geht, für zwei zerstrittene Parteien eine für sie möglichst akzeptable Lösung zu finden.

„Menschen zu verstehen und ihren Anliegen Gehör zu verschaffen habe in seinem Leben stets eine grosse Rolle gespielt“ – hiess es im ZO/AvU vom 26. Jan. Können Sie das etwas näher ausführen? Wo spielte das eine Rolle?
z.B. als Business-Analyst und Prozessmanager bei der Swissair:
Das Wichtigste bei dieser Arbeit ist zu verstehen, was der Mensch für seine Arbeit braucht, damit er sie möglichst effizient verrichten kann. Dazu muss man auf ihn eingehen können und die entsprechende Lösung dafür ausarbeiten.

z.B. im Reisebüro:
was sind die Erwartungen des Kunden und wie kann man sie erfüllen

z.B. auf dem Betreibungsamt:
wie kann man einen Menschen unterstützen, aus seinen Schulden herauszukommen

Wo sammelten Sie die von Ihnen erwähnten Erfahrungen im Umgang mit anderen Kulturen und Schichten?
In meiner Arbeit bei der Swissair:
Einerseits rekrutierten sich die Mitarbeiter  aus der ganzen Welt, andererseits hatte ich es mit Frachtmitarbeiter bis dem höheren Management zu tun.

In meiner Reisebürotätigkeit:
Kontakte zu verschiedenen ausländischen Konsulaten
Kontakte zu südamerikanischen Reiseveranstaltern

Bei meinen längerdauernden Auslandaufenthalten in Polen und den USA.

Sie sagten im ZO/AvU vom 26. Januar, dass Sie sich auf dem Friedensrichteramt Kenntnisse in der Rechtsprechung angeeignet haben. Wie oft spricht ein Friedensrichter tatsächlich Recht? Ist er nicht viel eher Schlichter/Mediator?

Es ist tatsächlich so, dass nur bei Fällen bis zu einem Klagewert von  2000.- Franken der Friedensrichter aufgrund von genügend Beweisen ein Urteil fällen kann.

Trotzdem sollte er Bescheid über die wichtigen Gesetze wie das SchKG (Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs), die ZPO (Zivilprozessordnung), OR, ZGB und GOG (Gesetz über die Gerichts- und Behördenorganisation des Kanton Zürichs) kennen, ansonsten er gar nicht im Stande ist ein Friedensrichteramt zu führen.
Darin sind unter anderem folgende Fragen geregelt:
Wie kann ich einen Eintrag im Betreibungsregister löschen lassen?
Ist eine fristlose Entlassung gerechtfertigt?
Wann verjährt ein Anspruch?
An welches Gericht soll die Klagebewilligung ausgestellt werden, kann sie überhaupt ausgestellt werden? etc…

Was ist eigentlich die Aufgabe eines Kanzleisekretärs auf einem Friedensrichteramt?
Die Aufgabe eines Kanzleisekretärs ist folgende:
Auskunftserteilung:

Beispiele sind:
wo muss ich meine Schlichtungsklage einreichen, bin ich örtlich (normalerweise Ort, wo die beklagte Partei ihren Aufenthalt oder bei Firmen ihren juristischen Sitz hat, bei Arbeitsrecht zusätzlich, wo man gearbeitet hat) oder sachlich (bei Miete die Schlichtungsbehörde oder direkt das Mietgericht, ausser bei Parkplätzen ausserhalb des Hauses, die separat dazu gemietet wurden, wo wieder das Friedensrichteramt zuständig ist) am richtigen Ort.
Oder soll ich zuerst zum Betreibungsamt gehen und eine Betreibung einleiten, oder soll ich besser gerade mit meiner Klage zum Friedensrichteramt kommen?
Wie läuft eine Schlichtungsverhandlung ab?
Wie muss ich das Schlichtungsgesuch ausfüllen?

Anlegen der Schlichtungsfälle:
Die Schlichtungsklagen hinsichtlich ihres Inhaltes (Arbeitsrecht, Geldforderungen, Persönlichkeitsverletzungen, Erbteilungen, Unterhaltszahlungen, Nachbarschaftsstreit, ..) im Computersystem anlegen.
Danach die Vorladungen erstellen und versenden.

Empfang der Parteien:
Die Parteien, wenn die Verhandlungen stattfinden, persönlich empfangen, Identität feststellen, im Computersystem festhalten.

Verfügungen schreiben:
Nach der Verhandlung entsprechend des Ausganges die Verfügungen, Urteile, Urteilsvorschläge, Vergleiche, Rückzug, Nicht-Eintreten, Klagebewilligungen schreiben und an die Parteien versenden.

Buchhaltung

Statistiken erstellen

Verantwortlich für die Post und das Büromaterial

Beherrschen der nötigen IT-Tools
(MS-Office, Buchhaltungssystem, Friedensrichter-Tool Fristi)

Vielen Dank für das Interview
Benjamin Rothschild

 

 

Heftige Reaktionen nach Friedensrichterwahl in Uster

Von Benjamin Rothschild. Aktualisiert am 11.03.2015  

Nach dem ersten Wahlgang fürs Ustermer Friedensrichteramt ….  schliesst der SVP Kandidat .. ein Verzicht zugunsten des …Kandidaten Andreas Kofmel nicht aus.

…….. Für den SVP-Kandidaten ist nun gar ein Verzicht zugunsten …..Andreas Kofmel denkbar: «Es ist nun das Wichtigste, dass ein von den Parteien portierter Kandidat gewählt wird», sagt er. Ein solcher würde im Gegensatz zu einem parteilosen Kandidaten nämlich einer Art Qualitätsprüfung im Hinblick auf seine Amtseignung unterzogen. ……

Mehr dazu lesen Sie im ZO/AvU vom Mittwoch, 11. März 2015. (ZO/AvU)

Erstellt: 10.03.2015, 20:52 Uhr